Willkommensteam für Flüchtlinge Elmshorn e. V.

Eröffnung und Schnuppertag im Mühlencafé – was für ein Wochenende!

4 Kommentare

Normalerweise bemühen wir uns auf dieser Seite ja um einen eher sachlich-informativen Ton. Doch heute geht es um einen Bericht von der gestrigen Eröffnung und dem heutigen Schnuppertag in unserem Mühlencafé – und da darf es dann auch mal ein bisschen emotionaler zugehen…

In den vergangenen Monaten wurde viel geplant, gebaut, geschraubt, gemalert und gestaltet im ehemaligen Bettenhaus Pape. Herausgekommen ist ein wirklich anheimelnder, schöner und gemütlicher Ort. Das Mühlencafé ist nun die zentrale Anlaufstelle für uns als Team – und für die Flüchtlinge, die unsere Hilfe suchen. Ein Ort, an dem sich Flüchtlinge, Helfer und alteingesessene Elmshornerinnen und Elmshorner locker und unverbindlich begegnen können. Ab kommenden Dienstag startet der reguläre Cafébetrieb. Seit dieser Woche läuft vormittags bereits ein vom Willkommensteam organisierter Deutschkurs speziell für Flüchtlinge aus Afghanistan. Die Fahrrad AG schraubt bereits seit einer Weile in ihrer Werkstatt im Keller an gespendeten Fahrrädern. Die AG Hausaufgabenhilfe will künftig ebenfalls das Mühlencafé für ihre Arbeit nutzen.

Wir hoffen aber auch, dass das Mühlencafé dazu beitragen wird, Flüchtlinge noch stärker als bisher mit Alteingesessenen in Kontakt zu bringen. Denn wir haben festgestellt, dass viele Elmshornerinnen und Elmshorner zwar grundsätzlich hilfsbereit sind, aber vor einer langfristigen Patenschaft für einen Flüchtling oder eine Familie zurückschrecken. Das ist schließlich eine große Verantwortung und – machen wir uns nichts vor – auch mit ziemlich viel Arbeit verbunden. Nicht jeder kann und mag so viel Zeit und Energie aufbringen – und das ist auch in Ordnung.

Im Mühlencafé kann jeder einfach vorbeischauen, wenn er Zeit hat. Und vielleicht sitzt am Nebentisch gerade ein Flüchtling, der mit einem Behördenbrief kämpft und genau in diesem Moment ein bisschen Hilfe braucht. Im Mühlencafé kann man Flüchtlingen helfen, auch wenn man nur punktuell Zeit hat. Vielleicht trifft man sich danach nie wieder, vielleicht entwickelt sich aber auch ein längerfristiger Kontakt. Wir sind gespannt auf die Begegnungen, die hier ab jetzt möglich sind.

Darauf sind offenbar auch noch viele andere Menschen gespannt. Am gestrigen Freitag Nachmittag waren die allermeisten geladenen Gäste gekommen, um mit uns die Eröffnung des Mühlencafés zu feiern. Bürgermeister Volker Hatje, Stadtrat Dirk Moritz, Vertreter der Stadtverwaltung und der Parteien, Menschen aus anderen Hilfsorganisationen, mit denen das Willkommensteam eng zusammenarbeitet, Künstlerinnen und Künstler, Flüchtlinge und last but not least die zahlreichen Sponsoren, ohne deren großzügige finanzielle Unterstützung der Umbau und die Einrichtung des Mühlencafés nicht möglich gewesen wäre.

Ich (Antje Thiel) berichtete ein wenig über die Anfänge des Willkommensteams als loser Haufen interessierter Bürgerinnen und Bürger, die alle irgendwie helfen wollten – allerdings noch ohne Ahnung, wie das gehen soll. Das war im Herbst 2014. In den folgenden Monaten lernten wir einander kennen, schmiedeten Pläne für unsere Arbeit und wurden eine immer größere Gruppe. Im März 2015 gründeten wir einen Verein, damit wir besser in der Öffentlichkeit agieren und auch Spenden annehmen können. Unser E-Mail-Verteiler für das Willkommensteam umfasst heute 368 Menschen, die aktiv mitarbeiten, Flüchtlinge begleiten oder sich für unsere Arbeit interessieren. Der Verein zählte bis gestern 86 Mitglieder – nach diesem Wochenende sind es noch eine ganze Reihe mehr. Unsere wöchentliche Sprechstunde ist immer gut besucht. Unsere Homepage wird jeden Tag von 200 bis 500 Menschen angeklickt.

Wir freuen uns sehr über dieses große Interesse und sind dankbar für die Wertschätzung für unsere Arbeit. Worum es im Kern geht, zeigt sich in Momenten wie bei der Eröffnung am Freitag, als Melles Alem (ein junger Mann aus Eritrea) erzählte, was das Willkommensteam für ihn bedeutet. „Als Flüchtling ist man oft sehr einsam. Ich bin ohne meine Familie hier, ganz allein. Das Willkommensteam ist hier meine Familie geworden“, sagte Melles in hervorragendem Deutsch, das er sich in den vergangenen zwei Jahren angeeignet hat.

Auch Stadtrat Dirk Moritz blickte zurück auf die Anfänge des Willkommensteams und die Beweggründe der Stadt Elmshorn, seinerzeit die Gründung eines ehrenamtlichen Willkommensteams anzustoßen und zu fördern. „Bürgermeister Volker Hatje und ich haben klar verteilte Aufgaben und teilen normalerweise auch Einladungstermine untereinander auf. Doch daran, dass wir beide diesen Termin zur Eröffnung des Mühlencafés heute gemeinsam wahrnehmen, können Sie ablesen, wie wichtig wir Ihre Arbeit im Willkommensteam finden“, sagte Moritz.

Die stellvertretende Vorsitzende unseres Vereins, Constance Diegel, berichtete über den Prozess des Umbaus – von den Verhandlungen mit der Stadt Elmshorn, die die Raummiete für das Café trägt über den Nutzungsänderungsantrag, Baumaßnahmen infolge von Brandschutzauflagen, Küchenplanung, Elektroarbeiten, Hygieneschulungen für das Cafépersonal, die Sponsorensuche und den unermüdlichen Einsatz von vielen Helferinnen und Helfern, die Wände strichen, Möbel zusammenschraubten, mit Nachbarbetrieben Kontakt aufnahmen etc. Conny war und ist der treibende Motor unseres Mühlencafés – ohne ihren Vollzeit-Einsatz in den vergangenen Monaten wäre dieses Projekt ganz sicher nicht möglich gewesen.

Im Anschluss nutzten alle Gäste noch die Gelegenheit zum Kennenlernen, Netzwerken und Gedankenaustausch. Hier ein paar Foto-Impressionen von der Eröffnung am Freitag:

Auch der heutige Schnuppertag übertraf unsere Erwartungen. Als das Mühlencafé um 11 Uhr seine Türen öffnete, kamen peu à peu immer mehr Elmshornerinnen und Elmshorner, Flüchtlinge und Alteingesessene zu uns. Sie tranken Kaffee, aßen Kuchen, informierten sich über unsere Arbeit, streiften neugierig durch unsere Räume, kamen miteinander ins Gespräch. Tolle Atmosphäre, viele freundliche und aufgeschlossene Menschen – das macht uns Mut für die kommende Zeit im Mühlencafé und auch in einer Zeit, die leider immer häufiger von Polarisierung und Ausgrenzung statt Integration und Toleranz geprägt ist. Wir hoffen, dass wir im Mühlencafé aktiv und ganz unverkrampft zur Integration von Flüchtlingen in Elmshorn beitragen können – und freuen uns schon auf die ersten regulären Cafétage. Alle sind herzlich eingeladen, einmal vorbeizuschauen – auf eine Tasse Kaffee oder Tee, eine Partie Backgammon oder Mensch Ärgere Dich Nicht, auf Gespräche mit Händen und Füßen, auf arabische Zeitungslektüre und deutschsprachige Bücher zum Thema Asyl, Flucht und Integration.

Öffnungszeiten: Di/Do 14 bis 18 Uhr, Fr 13 bis 17 Uhr
muehlencafe@willkommensteam-elmshorn.de

Und hier ein paar Foto-Impressionen vom heutigen Schnuppertag:

4 Kommentare zu “Eröffnung und Schnuppertag im Mühlencafé – was für ein Wochenende!

  1. Liebe Antje, herzlichen Glückwunsch Ihnen und dem Willkommensteam zu dieser Meisterleistung. Das ist ein Kraftakt für alle Beteiligten und gibt ein wundervolles gutes Beispiel – mit der Gelegenheit zum Entspannen in einer schönen loungigen Atmosphäre. Allen Schützlingen, UnterstützerInnen und BesucherInnen sowie FahrradschrauberInnen im Mühlencafé allzeit gute Begegnungen, Kontakte und Perspektiven. Viel Glück und viel Segen wünscht herzlichst
    Bernd

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  2. Lieber Bernd, vielen Dank für deine guten Wünsche! Wir sind tatsächlich noch ganz geflasht von der Eröffnung und dem Schnuppertag – und gespannt, wie die Resonanz dann im ersten „Normalbetrieb“ ausfallen wird. 🙂 LG Antje

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  3. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, als ich am Freitag zur Eröffnung kam, aber DAS hatte ich bestimmt nicht erwartet. Gratulation zu einem Café mit Stil, Esprit und Herzensgüte! Und von Herzen die besten Wünsche für ein langfristiges Gelingen!

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    • Herzlichen Dank für das Lob und die guten Wünsche! Wir hoffen, dass die gute Stimmung anhält und das Mühlencafé ein schöner Treffpunkt für alle Elmshornerinnen und Elmshorner wird.

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