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Vier Buchtipps für Menschen in der Flüchtlingshilfe

Ein Kommentar

Wer ehrenamtlich oder hauptberuflich mit Menschen mit Migrationshintergrund und/oder Fluchterfahrung arbeitet, wird manchmal auch mit psychologisch herausfordernden Situationen konfrontiert. Im Psychosozial-Verlag sind in den vergangenen Monaten vier Buchtitel erschienen, die beim psychologischen Verständnis helfen können. Alle vier Bücher sind als Printausgabe sowie als E-Book erhältlich.

2625 DAVIDS COV 170919 v3.inddM. Fakhry Davids: Innerer Rassismus

Aus der Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse. Verlag: Psychosozial-Verlag. 302 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm. 1. Auflage 2019, erschienen im Oktober 2019, ISBN-13: 978-3-8379-2625-5, Bestell-Nr.: 2625

Bei diesem Buch handelt es sich um die deutsche Übersetzung des Titels Internal Racism. In ihrem Vorwort schreibt Christiane Bakhit, diese Übersetzung sei „längst überfällig (…) heute, wo in Deutschland mit verbalen Entgleisungen wieder Grenzen überschritten werden, die vor einiger Zeit noch undenkbar waren.“ Im Klappentext heißt es: „Der Autor entwirft eine detaillierte Theorie über die Internalisierungsprozesse rassistischer Inhalte und die Entstehung rassistischer Einstellungen. Er postuliert ein unbewusstes rassistisches Abwehrsystem, das sich aus individuellen und kulturellen Bildern zusammensetzt und in Momenten krisenhafter Erschütterung als bisher latenter ‚innerer‘ Rassismus plötzlich manifest wird. Darüber hinaus geht Davids von einem pathologischen Rassismus aus, der sich unter anderem in psychotherapeutischen Behandlungen inszeniert und damit wahrgenommen und durchgearbeitet werden kann. Überlegungen zu Entstehung, Fortsetzung und Auswirkung von »äußerem« Rassismus sowie zu den Erscheinungsformen des institutionellen Rassismus vervollständigen seine Abhandlung. Stets lehnt sich Davids dabei in seinen Ausführungen an die therapeutische Praxis an und beschreibt sehr anschaulich und differenziert, wie sich in psychoanalytischen Behandlungen rassistische Angriffe der PatientInnen manifestieren oder bisher unbewusste rassistische Bilder in AnalytikerInnen aufsteigen und die Behandlung blockieren, solange sie nicht verstanden und bearbeitet werden.“

Was erst einmal nach harter Kost klingt, die nur für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten verdaulich ist, entpuppt sich beim Einlesen als durchaus verständlich – was vor allem an den vielen anschaulichen Beispielen und Geschichten aus dem Lebensalltag von Menschen mit Migrationshintergrund und/oder anderer Hautfarbe liegt.

6035 UTARI-WITT COV 190213 v10.inddHediaty Utari-Witt, Alfred Walter (Hg.): Wege aus dem Labyrinth des Traumas

Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse. Verlag: Psychosozial-Verlag. 212 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm. 1. Aufl. 2019, erschienen im Oktober 2019. ISBN-13: 978-3-8379-2929-4, Bestell-Nr.: 2929

Die Behandlung traumatisierter Kinder und Jugendlicher nach Migration und Flucht stellt PsychotherapeutInnen vor eine besondere Herausforderung. Anhand von Falldarstellungen zeigen tiefenpsychologisch fundierte und psychoanalytische PsychotherapeutInnen spezifische Problematiken und Chancen der Therapien von migrierten und geflüchteten Kindern und Jugendlichen sowie bei ihren Bezugspersonen auf, bieten Anregungen für die Behandlungstechnik und stoßen die Reflexionen der eigenen Praxis an. Im Fokus stehen PatientInnen zwischen drei und siebzehn Jahren mit verschiedenen kulturellen Hintergründen und mit unterschiedlichen Symptomen, von aggressiven Ausbrüchen bis Mutismus. Deutlich wird: Das emotionale Mitgehen der TherapeutInnen und deren Bereitschaft, sich auf die oftmals sehr traumatisierenden Erlebnisse von Flucht und Migration einzulassen, das gemeinsame Verstehen der Reinszenierungen sowie die nötige Distanz des Behandelnden sind zentrale Aspekte der therapeutischen Arbeit mit diesen Menschen.

Auch für dieses Buch gilt: Obwohl es sich in erster Linie an Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten richtet, finden auch Ehrenamtliche bzw. Hauptamtliche in der Flüchtlingshilfe darin wichtige Gedankenanstöße und Anregungen für den Umgang mit Geflüchteten mit psychischen Traumata.

2889 RODENBERG 20190301 v04.inddHans-Peter Rodenberg: Interkulturelle Wahrnehmung zwischen Angst, Neugier und Empathie

Buchreihe: Forum Psychosozial. Verlag: Psychosozial-Verlag. 267 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm. Erschienen im September 2019. ISBN-13: 978-3-8379-2889-1, Bestell-Nr.: 2889

Die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen ist im Zeitalter der Globalisierung zur Normalität geworden. Im Alltag gehen wir ganz selbstverständlich miteinander um, doch können wir einander auch wirklich verstehen oder glauben wir das nur? Wie gelingt interkulturelle Verständigung? Durch Empathie, sagt Hans-Peter Rodenberg, und zeigt, dass die wichtigste Voraussetzung hierfür – individuell wie gesellschaftlich – eine auf beiden Seiten angstfreie Umgebung ist.

Die Überwindung der Angst vor dem Fremden und die dadurch entstehende Neugier und Empathie werden wesentlich mehr von affektiv-emotionalen als von rational-kognitiven Prozessen bestimmt. Rodenberg führt Ergebnisse der Hirn- und Gedächtnisforschung mit den Erkenntnissen der Tiefenpsychologie zusammen und leitet hieraus Einsichten zu den Wahrnehmungsprozessen in Bezug auf das jeweils kulturell Andere ab. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur Interkulturalitätsforschung und bietet eine wertvolle Hilfe für praktisch Tätige.

Der Autor ist Professor für amerikanische Kulturwissenschaft und Medienwissenschaft an der Universität Hamburg. Sein Blick auf die interkulturelle Wahrnehmung umfasst biokommunikative Bedingungen, die Bedeutung von Angst als Überlebensmechanismus, Stereotypen als kollektives Hilfsmittel zur Bewältigung von Angst, Neugier und Empathie sowie die Effekte auf den Sozialisationsprozess. Zuguterletzt stellt er auch Überlegungen dazu an, welche Handlungsempfehlungen und Konsequenzen sich aus diesen Rahmenbedigungen für interkulturelle Begegnungen ergeben.

2934 JPP COV 190306 v01.inddDavid Zimmermann, Michael Wininger, Urte Finger-Trescher (Hg.): Migration, Flucht und Wandel. Herausforderungen für psychosoziale und pädagogische Arbeitsfelder

Buchreihe: Jahrbuch für psychoanalytische Pädagogik (ISSN: 0938-183X). Verlag: Psychosozial-Verlag. 335 Seiten, Broschur, 148 x 210 mm. 1. Auflage 2020. Erscheint im Januar 2020. ISBN-13: 978-3-8379-2934-8, Bestell-Nr.: 2934

Flucht und Migration haben einen Wandel in allen Bereichen des Lebens zur Folge und stellen auch die Pädagogik vor spezifische Herausforderungen. Die dabei wirkende Dynamik zwischen Psyche und sozialem Umfeld erhellen die AutorInnen durch ihre psychoanalytisch-pädagogische Perspektive.

An Kitas und Schulen in den Aufnahmeländern müssen Lehrkräfte und ErzieherInnen mit traumatisierten Kindern umgehen, können aber bisher nicht auf ausreichende Ressourcen zurückgreifen. Auch die intergenerationale Bedeutung von Flucht und Migration, vor allem in Gestalt von Hoffnungen, die Geflüchtete an ihre Folgegenerationen richten, schlüsseln die AutorInnen auf. Gleichzeitig richten sie den Blick auf die viel größere Zahl der Geflüchteten, die nicht nach Europa kommen: Flucht und Migration sind insofern auch essenzielle Themen der Globalisierung.

Etliche der Beiträge behandeln die Themenfelder Schule und Jugendarbeit. Sie sind daher auch von konkretem Nutzen für ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung bei der Integration begleiten.

Ein Kommentar zu “Vier Buchtipps für Menschen in der Flüchtlingshilfe

  1. Vielen Dank für die Literaturhinweise
    und gute Wünsche für die Feiertage
    Bernd

    Liken

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