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Psychologen entwickeln Modell zur Integration von Flüchtlingen

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Nach Angaben der Vereinten Nationen sind derzeit mehr als 79 Millionen Menschen auf der Flucht – sie werden auf absehbare Zeit nicht wieder in ihre Heimat zurückkehren. Psychologen der Universität Münster haben jetzt ein Modell entwickelt, mit dem die psychologischen Faktoren analysiert werden können, von denen eine erfolgreiche Integration in die aufnehmenden Länder abhängt. 

Das Modell namens PARI (Psychological Antecedents of Refugee Integration) berücksichtigt dabei gleichermaßen die Perspektiven der Flüchtlinge und der Mitglieder der aufnehmenden Gesellschaft. Die Wissenschaftler haben ihr Modell in der Fachzeitschrift „Perspectives on Psychological Science“ veröffentlicht. Wie die Universität mitteilte, wurde das PARI-Modell von Prof. Dr. Gerald Echterhoff, Dr. Jens Hellmann, Prof. Dr. Mitja Back, Prof. Dr. Joscha Kärtner, Prof. Dr. Nexhmedin Morina und Prof. Dr. Guido Hertel vom Institut für Psychologie der WWU entwickelt.

Im Unterschied zu politischen oder juristischen Kategorisierungen von Flüchtlingen betrachten die Autoren das Thema Flucht und die damit verbundenen Konsequenzen demnach vor allem aus Sicht der Betroffenen. „Aus psychologischer Sicht sieht sich eine geflüchtete Person zur Migration gezwungen, nimmt diese also als fremdbestimmt und alternativlos wahr“, erläuterte Jens Hellmann. Ausschlaggebend für den empfundenen Zwang zur Migration („forcedness of migration“) seien häufig Kriege, Verfolgung oder die zum Teil drastischen Folgen des Klimawandels.

Die Risiken und potenziellen Leiden aufgrund von Migration könnten psychische Prozesse aktivieren, die sowohl die Flüchtlinge als auch die Angehörigen der aufnehmenden Gesellschaft betreffen. Darüber hinaus könnten die Belastungen und Gefährdungen bei den Flüchtlingen das Bedürfnis nach Integration in einem sicheren Gastland verstärken. Jedoch sei es möglich, dass das Gefühl von Kontrollverlust, die Rolle als hilfsbedürftige Opfer oder die Verarbeitung traumatischer Erinnerungen wichtige psychische Ressourcen einschränken und damit die Integration behindern.

„Zudem kann die Wahrnehmung von erzwungener Migration und den damit verbundenen Belastungen bei Mitgliedern der aufnehmenden Gesellschaft einerseits Empathie für die Geflüchteten verstärken. Andererseits können Gefühle der Bedrohung durch Geflüchtete erwachsen“, ergänzt Erstautor Gerald Echterhoff.


Originalpublikation:

G. Echterhoff et al. (2020). Psychological antecedents of refugee integration (PARI). Perspectives on Psychological Science, 15, 856-879. DOI: 10.1177/1745691619898838 

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